Das Licht in Cecil Court
Es war kurz nach fünf, als der Regen in Schnee überging – erst so zaghaft, dass niemand stehen blieb. Nur Mrs. Bell, die seit vierzig Jahren in Cecil Court gebrauchte Bücher verkaufte, sah nach oben, lächelte und stellte eine kleine Messinglampe ins Fenster.
Eine Stunde später blieb ein junger Mann davor stehen, der eigentlich nur auf dem Weg zum Theater war. Er trug einen zu dünnen Mantel, hielt sein Handy wie einen Kompass vor sich und sah aus, als hätte er den ganzen Tag versucht, genau dort anzukommen, wo er gerade nicht sein wollte.
Er ging hinein. Die Glocke über der Tür klang heller, als man es von einem so alten Laden erwartet hätte.
„Schönes Licht“, sagte er und zeigte auf die Lampe.
„Es ist ein altes Licht“, antwortete Mrs. Bell. „Schöne Dinge müssen nicht immer neu sein.“
Er lächelte höflich, sah die Regale entlang und kaufte nichts. Nach einer Weile fragte er, warum die Lampe überhaupt im Fenster stand.
Mrs. Bell legte den Bleistift aus der Hand. „Damit jemand, der heute nicht weiß, wohin er gehört, wenigstens für einen Moment denkt: vielleicht hier.“
Draußen wurde der Schnee dichter. Ein Paar blieb vor dem Fenster stehen. Jemand machte ein Foto. Ein Mädchen drückte die Nase an die Scheibe und zeigte auf eine Ausgabe von A Christmas Carol.
Der junge Mann steckte das Handy ein.
„Ich verpasse mein Musical“, sagte er.
„Dann solltest du gehen.“
„Und wenn ich danach wiederkomme?“
„Dann ist die Lampe noch da.“
Später, kurz vor elf, klingelte die Tür ein zweites Mal. Der Schnee war in Regen zurückgekehrt. Der junge Mann war wieder da, diesmal mit einem Programmheft unter dem Arm und roten Wangen.
Er kaufte die Dickens-Ausgabe aus dem Fenster.
„War es gut?“, fragte Mrs. Bell.
„Sehr.“
Sie wickelte das Buch in braunes Papier und band eine dünne rote Schnur darum. Dann schob sie es über den Tresen.
„Frohe Weihnachten.“
Der junge Mann ging hinaus, blieb unter der kleinen Lampe noch einmal stehen und sah die Straße hinunter. London war laut, nass, voll und ein bisschen zu teuer. Aber für diesen einen Moment sah es aus, als hätte die Stadt auf ihn gewartet.
Und vielleicht, dachte er, war das ja das ganze Geheimnis.
